„Mama, mir ist nicht gut“

Mit dem Auto unterwegs – sei es zum Einkaufen, Besuchen von Großeltern und Freunden oder einfach für eine Wochenendausfahrt. Der Bewegungsspielraum mit Kind vergrößert sich automobil enorm. Doch manchmal ist die Freud getrübt, wenn es von der Rückbank heißt: „Mama, mir ist nicht gut.“

Wer Pech hat, kann nicht nach Lust und Laune Autofahren. Denn wenn der Nachwuchs die Reiserei zum Brechen findet, begibt man sich nur noch in Ausnahmefällen hinters Steuerrad – und in Alarmbereitschaft. Die Reisekrankheit ist (nicht nur) bei Kindern relativ weit verbreitet, aber ungefährlich. Die Betroffenen belastet sie allerdings sehr. Das Ausmaß unterscheidet sich dabei von Kind zu Kind. Was steckt dahinter?

Als Reisekrankheit bezeichnet man das Phänomen, dass manchen im Fahrzeug übel wird. Die Medizin hat dazu den Fachbegriff „Kinetose“ parat. Darunter versteht man eine Gruppe von Symptomen, die durch Störungen des Gleichgewichtssinns entstehen. Sie wird durch Bewegungsreize ausgelöst und äußert sich durch Schwindelgefühle, Übelkeit bis zum Erbrechen, Kopfschmerzen sowie blasse Haut. Die Reisekrankheit kann sowohl im Auto als auch im Flugzeug oder auf einem Schiff auftreten.

Das Hauptproblem ist, dass die Bewegung den Gleichgewichtssinn durcheinanderbringt. Das kann auch in anderen Situationen der Fall sein wie bei einer Fahrt mit einer Berggondel, einem Aufenthalt in einem Hochhaus, das im Wind leicht schwankt, oder auf einem sich bewegenden Anlegesteg am Wasser.

Zeichnet sich eine Reisekrankheit ab, treten zu Anfang meist erst milde Symptome auf: Man fühlt sich müde, muss häufig gähnen und es wird mehr Speichel produziert. Auch können leichte Kopfschmerzen auftreten. Als klassische Reisekrankheit bezeichnet man meist die folgenden Symptome:

  • leichte Kopfschmerzen
  • wiederholtes Gähnen und Müdigkeit
  • Babys und Kleinkinder fangen an zu speicheln
  • kalter Schweiß tritt auf die Stirn
  • Blässe und einen schnellen Atem
  • Schwindel, Übelkeit und Erbrechen

Ab wann ein Reiz eine Reisekrankheit auslöst, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Bei Erwachsenen sind Frauen übrigens häufiger betroffen als Männer. Mediziner gehen davon aus, dass der Hormonhaushalt eine Rolle spielt, denn während einer Regelblutung und in der Schwangerschaft zeigen Frauen schneller als sonst Symptome einer Reisekrankheit.

So entsteht das Gefühl der Reisekrankheit

Der Körper koordiniert ständig bewusste wie unbewusste Bewegungen, um sein Gleichgewicht zu halten. Um die Lage im Raum einzuschätzen, nutzt er verschiedene Sinnesorgane.

Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr trägt dazu entscheidend bei wie auch sogenannte Propriorezeptoren, die in Muskeln und Sehnen sitzen, deren Dehnungszustand messen und dann Signale an das Gehirn senden. Die Augen stellen eine weitere Informationsquelle für das Gehirn dar, um den eigenen Körper im Raum wahrzunehmen.

Das Gehirn ist daran gewöhnt, dass der Horizont, der Boden und zum Beispiel Tischplatten eine waagerechte Orientierungsachse haben. Andere Gegenstände wie Hauswände, Masten oder Laternenpfähle verlaufen senkrecht. Bei der Reisekrankheit spielt gerade dieser visuelle Eindruck eine entscheidende Rolle, wenn die empfangenen Signale den Erwartungen widersprechen.

Alle erfassten Informationen ergeben normalerweise ein sinnvolles dreidimensionales Bild. Sind diese Informationen widersprüchlich, entsteht das Gefühl der Reisekrankheit

Das ist im Auto beispielsweise der Fall, wenn die Augen wahrnehmen, dass man still sitzt und ein Lesebuch anschaut oder einen Stadtplan liest, während das Gleichgewichtsorgan während einer Fahrt Schwankungen und Erschütterungen meldet.

Vorbeugende Maßnahmen

Wenn Du beobachtest, dass Dein Kind oder gar Du selbst zur Reisekrankheit neigst, kannst Du durch einige vorbeugende Maßnahmen versuchen gegenzusteuern:

  • Vor der Reise sollte eher leicht, nicht zu fettig gegessen werden. Etwas Obst wie Apfelstückchen, Salzstangen oder ein belegtes Brot reichen aus.
  • Als Elternteil verzichte auf Alkohol (was im Auto ja eh nichts zu suchen hat) und vermeide möglichst Koffein.
  • Als Fahrer wird einem meist nicht übel, da man den Blick auf der Straße hat und die Sinneseindrücke sich nicht widersprechen. Setze Dich also selbst ans Steuer.
  • In Bus und Bahn sollte Dein Kind am besten einen Platz am Fenster und in Fahrtrichtung haben.
  • Im Auto ist der Platz neben dem Fahrer oder auf der Rückbank in der Mitte am besten, da hier der Blick nach draußen am besten gewährleistet wird. Bitte natürlich immer entsprechend gesichert.

Was, wenn es soweit ist?

Tritt die Reisekrankheit dennoch auf, ist es am besten, möglichst frühzeitig etwas gegen die Beschwerden zu unternehmen. Achte also auf Dein Kind, ob es von leichten Kopfschmerzen spricht oder ein verstärkter Speichelfluss auftritt. Ermuntere es dann, den Blick aus dem Fahrzeug af die Straße oder in die Ferne zu richten. Man kann gemeinsam „Siehst Du, was ich sehe“ oder „Kühe zählen spielen.

Da Lesen oder das Spielen am Handy die Symptome der Reisekrankheit verstärken, sollte darauf verzichtet werden.

Auch das Abspielen einer Lieblingsmusik oder eines spannenden neuen Hörspiels kann vom Übelkeitsgefühl ablenken. Kindern hilft es außerdem, regelmäßig Pausen zu machen und frische Luft zu schnappen. Ist Deinem Kind bereits schlecht, solltest Du anhalten und es flach auf den Rücken legen und die Augen schließen lassen.

Gut ist es auch, die Reisezeit möglichst schlafend zu verbringen. Im Schlaf ist der Gleichgewichtssinn nämlich weitgehend ausgeschaltet, und die visuellen Eindrücke fallen weg. Lege daher lange Autobahnfahrten auf die Nachtstunden.

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