ADAC-Test: Fünf Sitze sind mangelhaft

Im Rahmen des zwei Mal jährlich stattfindenden Kindersitztests des ADAC wurden Ende Mai 2021 die Ergebnisse von insgesamt 26 unter Augenschein genommenen Modellen veröffentlicht. Alle Sitze entsprechenden den gesetzlichen Mindestnormen, ohne die sie keine Zulassung erhalten hätten. Dennoch offenbarten fünf Sitzmodelle nach dem strengeren Testregiment des ADAC so große Mängel, dass vor ihnen gewarnt wird.

Der maßgeblich vom ADAC in Zusammenarbeit mit drei weiteren Verbraucherorganisationen durchgeführte Test von Kindersitzen hat das Ziel, häufig verkaufte Modelle in den Kategorien „Sicherheit“, „Bedienung“, „Ergonomie“ und „Schadstoffgehalt“ zu überprüfen und zu bewerten.

Dabei werden gerade auch in den augenfälligen Crashtests Testszenarien abgeprüft, die teilweise über die gesetzlichen Mindestanforderungen einer Zulassung hinausreichen. Auf diesem Wege wird die Industrie dazu angehalten, ihre Sitzmodelle noch weiter zu verbessern.

Ende Mai 2021 wurden nun die Ergebnisse der Testrunde aus dem Frühjahr veröffentlicht. Bereits im Vorwege wurde vor dem Modell „Kiros i-Size“ im Zusammenspiel mit der dazugehörigen „Kiros i-Size Base“ von Chicco gewarnt und das Unternehmen hat umgehend einen Rückruf ausgesprochen.

Eine Vorabveröffentlichung erfolgen regelmäßig bei besonders sicherheitsrelevanten Testergebnissen, sodass das betroffene Unternehmen zeitnah Stellung nehmen und reagieren kann.

Laut Unternehmensangaben wurde das Modell in Deutschland nicht im stationären Handel verkauft. Man könne aber nicht ausschließen, dass über den Online-Handel Exemplare nach Deutschland gelangt seien.

18 Modelle schneiden „gut“ ab – fünf aber „mangehaft“

Mit 18 Modellen schneidet die Mehrheit der getesteten Sitze mit „gut“ ab. Drei Modelle erhielten immerhin noch die Auszeichnung „befriedigend“. Diese Sitze übertreffen damit die gesetzlichen Vorschriften zum Teil deutlich.

Aber es gab auch Verlierer: Insgesamt fünf Kindersitze konnten nur mit „mangelhaft“ bewertet werden. Dabei scheiterten vier an den strengen Kriterien der Schadstoffprüfung, während das bereits erwähnte Modell „Kiros i-Size“ beim Frontal- und Seiten-Crash versagte.

Die Babyschale „Chicco Kiros i-Size mit der Kiros i-Size Base“ löste sich beim Frontalaufpralltest von der Isofix-Basis und flog nahezu ungebremst nach vorne. Bei einem Unfall wäre das Verletzungsrisiko des Kindes damit deutlich erhöht. Der Sitz wurde im Rahmen des europäischen Gemeinschaftstests in Italien eingekauft und war – nach Angaben des Herstellers – nicht im deutschen Handel erhältlich.

Schade: Schadstoffe

So enthalten die Bezugsstoffe des „Besafe iZi Go Modular X1 i-Size“ (sowohl mit wie ohne „iZi i-Size Base“) und die des „Swandoo Marie 2“ Naphthalin, einem Stoff, der nach Angaben des ADAC im Verdacht steht, eine krebserzeugende Wirkung zu haben. Der „Osann Oreo 360°“ enthält hingegen den Weichmacher DPHP, der unter anderem die Schilddrüse schädigen kann.

Drei Hersteller der mangelhaft getesteten Sitze haben auf die schlechte Bewertung reagiert und bieten den Eltern eine kostenlose Nachbesserung an:

  • Chicco tauscht die Isofix-Station gegen eine verbesserte Konstruktion.
  • Osann bietet den Tausch der schadstoffhaltigen Schulterpolster an.
  • Swandoo bietet ebenfalls den Tausch der belasteten Sitzbezüge an.

Von Hersteller BeSafe hat es offenbar bis zur Veröffentlichung der Testergebnisse durch den ADAC keine Stellungnahme beziehungsweise keine Ankündigung eines Umtauschs gegeben.

ADAC bleibt bei Sitzerhöhern skeptisch

Die ADAC-Tester haben sich in diesem Jahr nicht nur klassische Kindersitze, sondern auch die im Handel oft verkauften Sitzerhöher untersucht. Exemplarisch wurden mit diesen Produkten Frontal- und Seitenaufprallversuche gefahren. Doch da bei allen Produkten ein Seitenaufprallschutz fehlt, sind alle Produkte gleichermaßen „mangelhaft“. Denn im Fall eines Seitenaufpralls fehlen entsprechende Absorber für die Aufprallenergie und auch Kopf und Hals werden nicht durch eine Kopfstütze geschützt.

Da die Tests des ADAC weitreichender sind als jene zur Erfüllung der gesetzlichen Mindestanforderungen sind Sitzerhöher zur Kindersicherung zugelassen. Immerhin reduzieren sie zumindest beim Frontalunfall das Verletzungsrisiko.

Einen vollwertigen Kindersitz können die Erhöhungen nicht ersetzen, denn die – bei Erhöhungen fehlende – Rückenlehne erfüllt verschiedene wichtige Funktionen und ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil eines guten Kindersitzes.

Produkte, die die aktuellen Zulassungsanforderungen erfüllen, erlauben die Sicherung von Kindern ab 22 Kilogramm und einer Körpergröße über 1,25 Meter.

Ein Erhöher ist daher besser als gar keine Sicherung. Viele Familien oder Großeltern verwenden sie als „Notsitz“, da sie nur wenig Stauraum benötigen, aber zum Beispiel die spontane Mitnahme von Kindern ermöglichen.

Wenn schon, dann aus Kunststoff statt Styropor

Wer auf der Suche nach einem möglichst guten Modell ist, sollte vor allem auf das Material achten. Die ADAC-Experten raten zu Produkten aus Kunststoff. Sie sind stabiler als solche aus Polystyrol („Styropor“). Durch das robustere Material werden sie weniger leicht beschädigt und die Gefahr, dass sie im Falle eines Unfalls versagen, ist geringer.

Außerdem sollte auf seitlich angebrachte Gurtführungen („Hörnchen“) geachtet werden, diese halten die Sitzerhöhung in Position und verbessern die Lage des Beckengurtes. Von einfachen Sitzerhöhungen ohne Gurtführungen rät der ADAC ab.

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