Für manche ein bekannter Klassiker, für andere noch immer überraschend. Denn wer Kapla noch nicht kennt, wunder sich schnell und fragt sich wieso eigentlich. Denn Bauklötzer aus Holz kennt ja jeder. Und Kapla ist der Inbegriff vom Bauen mit Holz. Wenn, ja, vielleicht auch etwas filligraner. Denn Kapla-Steine sind flach ausgeführt. Keine Klötze, eher Leisten. Aber mit diesen kann man klotzen!
Kapla ist ein Konstruktionsspiel aus identischen, länglichen Holzplättchen aus Pinienholz, das ganz ohne Magnete, Noppen oder andere Verbindungselemente auskommt. Statt Stecksystemen oder vorgegebenen Formen werden die Plättchen einfach übereinander, nebeneinander oder im Gleichgewicht aufeinander gelegt – daraus entstehen Türme, Brücken, Häuser, Tiere oder abstrakte Gebilde, je nachdem, was Kindern gerade in den Sinn kommt. Diese radikale Einfachheit macht einen großen Teil der Faszination aus: Es gibt keine richtige oder falsche Bauweise, sondern nur die Grenzen der eigenen Vorstellungskraft.
Für Eltern ist Kapla vor allem deshalb spannend, weil schon sehr junge Kinder ins Spiel finden können. Offiziell wird Kapla häufig ab etwa zwei Jahren empfohlen, da die Plättchen dann sicherer gegriffen und bewusst platziert werden können. In diesem Alter reicht es oft, einige Steine zu stapeln, sie wieder einstürzen zu lassen oder einfache „Straßen“ und „Zäune“ auszulegen – eine frühe Erfahrung mit Statik, Balance und Ursache-Wirkung. Mit zunehmendem Alter wachsen die Konstruktionen mit: Aus ersten Reihen werden kleine Türme, später ganze Städte oder fantasievolle Tierfiguren.
Pädagogisch bietet Kapla viele Anknüpfungspunkte. Die immer gleichen Proportionen der Plättchen schulen das räumliche Denken, weil Kinder intuitiv mit Längenverhältnissen und Symmetrien experimentieren. Feinmotorik, Hand-Auge-Koordination und Konzentrationsfähigkeit werden ganz nebenbei trainiert, wenn Stein für Stein präzise gesetzt werden muss, damit das Bauwerk nicht ins Wanken gerät. Gleichzeitig fördert das Spiel Ausdauer und Frustrationstoleranz: Einstürzende Türme gehören dazu – und werden meist direkt neu gebaut.
Gerade im Vorschulalter können Eltern Kapla gut in Alltagsrituale einbauen. Eine kleine Auswahl Plättchen auf einem Tablett im Wohnzimmer lädt dazu ein, nach dem Kindergarten für ein paar Minuten zur Ruhe zu kommen. Jüngere Kinder freuen sich, wenn Erwachsene einfache Aufgaben stellen („Schaffst du einen Turm höher als deine Hand?“), während Ältere eigene Projekte planen oder sich von bebilderten Anleitungsheften inspirieren lassen. Gemeinsames Bauen mit Geschwistern oder Eltern fördert zudem soziale Kompetenzen: Es wird verhandelt, geplant und kooperiert, um ein gemeinsames Ziel – etwa eine große Brücke – zu erreichen.
Auch unter Nachhaltigkeitsaspekten spricht vieles für Kapla. Die Bausteine bestehen aus unbehandeltem Pinienholz und kommen ohne Kunststoff, Elektronik oder Batterien aus. Weil alle Plättchen gleich sind, bleiben sie über Jahre hinweg kompatibel; Boxen können problemlos ergänzt werden, ohne dass ältere Sets „veralten“. So wird Kapla schnell zu einem langlebigen Spielzeug, das Kinder über viele Entwicklungsphasen hinweg begleitet – von den ersten wackeligen Türmchen im Kleinkindalter bis zu aufwendigen Bauwerken im Grundschulalter und darüber hinaus.


