„Nachhaltigkeit wird immer bedeutsamer“

Wenn es um Tipps und Ratschläge rund um die Erstausstattung geht, sind Fachhändler durch ihre tagtägliche Erfahrung mit Kunden eine gute Anlaufstelle. Werdende Eltern wenden sich an sie, um sich beraten zu lassen, um Empfehlungen zu erhalten und um von dem Know-how der Experten zu profitieren.

Daher haben wir uns mit Sabine Grochowina-Weber vom HappyBaby-Fachmarkt in Pfaffenhofen unterhalten und sie zum Thema Babybekleidung in der Erstausstattung befragt.

Zusammen mit ihrer Schwägerin Michaela Grochowina führt sie seit 2014 das 1972 gegründete, rund 1.000 Quadratmeter große Geschäft. Mit einer Textilabteilung auf 400 Quadratmetern und insgesamt 11 Mitarbeitern verfügt das Haus über eine große Expertise und ganz handfeste Ratschläge.

Inhaberin Sabine Grochowina von HappyBaby Pfaffenhofen
Inhaberin Sabine Grochowina von HappyBaby Pfaffenhofen

Wann kommt bei Ihnen in der Regel der erste Kontakt mit einer jungen Familie zustande?

Grochowina: Oh, das beginnt oft schon mit der schwangeren Mutter, die bei uns nach einer Schwangerschaftshose Ausschau hält. Wir haben in unserem Haus eine kleine, aber feine Maternity-Abteilung. Nach unserer Erfahrung suchen viele werdende Mütter ein nicht zu modisches, aber dennoch peppiges Outfit – und das in einer vernünftigen Preislage.

Umstandsmode anzubieten bedarf übrigens eines engagierten Teams, denn hier erwarten die Frauen ein gut gepflegtes Sortiment, das wir auf immer wieder neu gestalteten Flächen präsentieren. Unser Angebot reicht hier von Mamalicious im Oberbekleidungsbereich bis hin zu Anita Maternity und Bravado Designs im Segment der Unterwäsche.

Dabei wird dann bestimmt schon einmal nach den ersten Outfits fürs Baby geschaut, oder?

Grochowina: Ja, in der Tat. Das beginnt oft schon früh. Bei vielen keimt das Interesse auf, sobald bekannt ist, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird. Und dann wird gern schon einmal ein erstes Teilchen zur Schwangerschaftsjeans mitgekauft.

Dominieren denn noch immer die Farben Rosa und Blau? 

Grochowina: Das ist gemischt. Natürlich wird durchaus noch traditionell gekauft. Aber ebenso oft schauen werdende Eltern nach neutralen Farbtönen, um so unabhängiger zu sein, wenn ein zweites Kind ansteht. Bei zahlreichen Eltern spielen solche Gedanken durchaus eine Rolle, die die Babys ja schnell aus ihren Größen herauswachsen.

Neben den klassischen Farben spielt Grau eine Rolle, immer mehr aber auch Naturtöne, die skandinavische Farbpalette und pastellige Nuancen in Grün oder Gelb.

Was sind denn die häufigsten Beratungsthemen?

Grochowina: Die häufigsten Fragen drehen sich um Aspekte wie die richtigen Größen, Mengen und auch um die Nachhaltigkeit. Gerade hier hat sich in den letzten Jahren viel getan. Immer mehr Eltern fragen gezielt nach GOTS-zertifizierten Materialien. Bei uns im Haus, das ja seit rund 50 Jahren schon die Region verlässlich versorgt, wissen die Kunden, dass sie auf ein qualitativ hochwertiges Sortiment für Babys vertrauen können.

Wir achten unsererseits darauf, dass die Stoffe möglichst aus Biobaumwolle sind. Oeko-Tex-Nachweise spielen gerade im Babybereich natürlich auch eine große Rolle. Und immer mehr Anbieter setzen inzwischen auf eine eigene GOTS-Zertifizierung.

Bei uns finden Sie unter anderem Babyface, Feetje, Hust & Claire, Noppies sowie Sterntaler und Sanetta im Programm.

Es gibt zwar noch immer gewisse Preisunterschiede zwischen konventioneller und nachhaltig gefertigter Bekleidung. Aber alle unsere Marken sind in jedem Fall sicher und empfehlenswert. Und ich finde, es muss auch immer für jeden Geldbeutel etwas dabei sein.

Mit unseren 400 Quadratmetern allein im Textilbereich bieten wir ja ein großes Angebot, auf dem sich für jeden etwas finden lässt. Unser Größenlauf reicht übrigens bis zu Größe 128, sodass auch ältere Geschwisterkinder eingekleidet werden können.

Was raten Sie denn, wenn Eltern nach der „passenden Größe“ fragen und das Baby noch gar nicht geboren ist?

Grochowina: Zum einen berichten uns Eltern von den Aussagen ihres Arztes, ob ein eher kleines oder größeres Kind zu erwarten ist. Außerdem stehen ja auch die Eltern selbst vor uns. Und wenn beide etwas kleiner oder etwas größer gewachsen sind, darf man durchaus auf die zu erwartende Größe des Babys bei der Geburt rückschließen.

Wenn ein etwas kräftigeres Baby zu erwarten ist, legen wir meist schon die Größe 56 ans Herz. Die Startgröße 50 wäre sonst schon zu klein. Da nach meiner Erfahrung von Freunden und Verwandten etwas in Größe 68 verschenkt wird, lenken wir im weiteren Verlauf das Augenmerk auf die Folgegröße 74, um die Garderobe alsbald zu komplettieren.

Wickelbodys: Nach der Geburt und in den ersten Lebensmonaten sind Wickelbodys die perfekte Lösung. Ein Vorteil von Wickelbodys ist, dass sie nicht über den Kopf gezogen werden. Das löst bei vielen Babys den Saugreflex aus – und ruft Unwillen hervor, wenn nicht die erwartete Milch, sondern nur am Bekleidungsstück herumgezuckelt wird. Wickelbodys werden um das Baby „herumgewickelt“ und mit Druckknöpfen seitlich geschlossen.

Und was gehört in die textile Grundausstattung?

Grochowina: Zum Beispiel fünf bis sieben Wickelbodys, am besten gleich in zwei Größen, gern als Halb- und Langarmvariante, denn es soll ja niemand frieren. Natürlich gehören ein paar klassische Strampler ebenfalls mit dazu. Auch Erstlingssocken und ein Mützchen empfehlen sich. Und neben der Startgröße sollte man auch gleich an die Folgegröße denken. Hier kommt dann meist auch schon eine Hose oder erstes Shirt in den Blick.

Klassische Geschenksets zum Beispiel aus Body, Strampler und einem Jäckchen oder so spielen bei uns keine so große Rolle. Aber sie werden ab und an nachgefragt, zum Beispiel, wenn es um den Tag des Nachhause Kommens geht oder für ein erstes Foto-Shooting. Da werden die Kleinen meist extra etwas herausgeputzt.

Ist es etwas kühler kommen natürlich auch noch ein Jäckchen oder Overalls und immer häufiger Walkanzüge wie von Engel Natur oder Pure Pure by Bauer dazu.

Wie unterscheidet sich diese Grundausstattung im Sommer von der im Winter?

Grochowina: Im Sommer greift man natürlich zu einem Jäckchen statt zu einem Overall. Aber auch in dieser Zeit empfehlen wir zum Beispiel Langarmbodys oder -shirts, denn die Haut muss nicht nur vor Kälte, sondern auch allzu viel Sonne geschützt werden.

In den kalten Monaten gehören der besagte Walkanzug, eine Schneeanzug und eine kleine Strumpfhose mit ins Programm. Auch nutzen viele ja einen Fußsack für ihren Kinderwagen, der schön warmhält. Wenn man dicke Sachen anzieht, muss man bei Autofahrten natürlich darauf achten, dass der Gurt unter den dicken Sachen noch ausreichend eng anliegt.

Was hat Sie im Coronajahr 2020 besonders überrascht?

Grochowina: Wir haben im letzten Jahr eine Zunahme bei der Nachfrage nach Baby- und Kinderbekleidung festgestellt. Zuerst hat uns das nur gewundert. Aber dann ist uns aufgefallen, dass das mit dem Ausfall zahlreicher Secondhand-Börsen zu tun haben muss. Da diese über lange Zeit nicht stattfanden, wurde der Bedarf verstärkt im Fachhandel gedeckt. Das hat uns vor Augen geführt, dass zu normalen Zeiten doch ein signifikanter Anteil an Kinderbekleidung durch Secondhand gedeckt wird.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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