Willkommen, Kleines

Hallo, Eltern: Dieser Blick verrät einfach alles. Da freut sich jemand ganz besonders auf die Welt. Und braucht seine Eltern, die ihn schützen und unterstützen. – Foto: EVERST/AdobeStock

Gestern schien die Welt noch in Ordnung. Doch mit der freudigen Nachricht, dass Nachwuchs ins Haus steht, ändert sich alles. Fragen tauchen schneller auf, als dass man sich schon eine Meinung bilden konnte. Und Ratschläge kommen heute aus allen Richtungen. 

Wenn sich Nachwuchs ankündigt und ein Paar damit schon bald zu einer jungen Familie wird, gehört dieser Lebensabschnitt nicht nur zu den aufregendsten, sondern auch einschneidendsten. Denn zur Vorfreude gesellen sich schnell tausend Fragen. Die reichen dabei von „Was passiert mit mir?“ bei der Mutter über „Was verändert sich bei uns?“ bei den Eltern bis hin zu „Wie wollen wir das alles meistern?“ und „Was müssen wir jetzt eigentlich vorbereiten?“

Eltern, Freunde und eben all jene, die das bereits durchgemacht haben, raten dabei gern: Genießt die Zeit, freut euch und – macht euch nicht verrückt. Denn obgleich wir heutzutage immer später Kinder bekommen, sind Schwangerschaft, Geburt und Elternwerden die natürlichsten Dinge der Welt. Dabei warten immer mehr Frauen, die vor einigen Jahren noch mit Anfang bis Mitte 20 Kinder bekommen hätten, nun bis in ihre frühen Dreißiger.

Zu den Gründen zählen Wissenschaftler kulturelle Faktoren und gesellschaftliche Strukturen. Durch die Emanzipation, sexuelle Befreiung und Möglichkeiten der Elternzeit hat sich in den vergangenen Jahrzehnten für junge Familien vieles verändert. Frauen reagieren darauf, indem sie ihre Kinder heute später bekommen als früher.

Aktuell gesellt sich dazu ein Trend der letzten Jahre, dass pro Jahr in Deutschland immer mehr Kinder geboren werden. Zuletzt wurden knapp 790.000 Geburten in Deutschland gezählt. In der Schweiz und Österreich sanken die Zahlen leicht auf jeweils rund 85.000 Geburten pro Jahr. Man ist also nicht allein. Bei rund 370.000 Familien pro Jahr steht dabei das erste Kind ins Haus. Ganz gleich, ob jünger oder älter, viele Fragen kommen nun zum ersten Mal auf einen zu. 

„Gestern noch kannte man sich aus. Man wusste, welche Produkte man braucht und welche Marken man liebt. Doch als sich der Nachwuchs ankündigte, war für uns auf einmal alles neu.“

Ein bisschen Kakofonie

Während in früheren Zeiten die Mütter und Tanten die wichtigsten „Influencer“ zum Thema Schwangerschaft waren – erfahren, persönlich vertraut und wohlmeinend – stürmen auf werdende Eltern und ganz besonders auf die Schwangeren zahlreiche Ratschläge aus allen Richtungen und Quellen ein. Natürlich werden Freundinnen und Arbeitskollegen befragt. Auch Ratgeberverlage bieten einen steten Strom an immer neuen Titeln zum Thema, darunter auch manch Seichtes. Während in Selbstverlagen früher vor allem Hebammen ihr Wissen weiterreichten, suchen inzwischen immer mehr junge Mütter ihre Erfahrungen und Weisheiten in Buchform zu vermarkten.

Natürlich hat die Generation das Internet an der Hand, werdende Eltern haben für sich die Influencer entdeckt und daraus erwächst bereits die nächste Instagram-Generation. Die Industrie weiß diesen Mitteilungsdrang für sich zu nutzen. Dass sich Eltern dabei immer wieder auf Influencer verlassen, wenn sie zu Themen Rat suchen, verwundert ein wenig. Denn heute weiß eigentlich jeder: Was einst als Demokratisierung der öffentlichen Meinung entstanden ist, ist ein umfassend durchkommerzialisierter Werbestrom geworden.

Wo früher einfach nur ein ans Herz gewachsenes Produkt weiterempfohlen wurde, entdeckten Mamablogger die Möglichkeit, sich von Unternehmen kostenlos Produkte zusenden zu lassen, wenn sie diese dafür möglichst positiv besprechen. Inzwischen ist daraus eine Industrie erwachsen, in der für Posts in den sozialen Medien Gelder fließen. Bei aller Kritik – übrigens auch an der Medienkompetenz mancher Eltern – bieten Internet und Social Media aber auch einen erfrischenden Vorzug: Viele Anregungen rund um die Einrichtung von Babyzimmern, DIY-Ideen oder auch die Entdeckung kreativer Produkte blieben unentdeckt, würde man auf Pinterest, Instagram und anderes verzichten.

Für handfeste Informationen sind Frauenärzte und Hebammen in der Regel ebenfalls Anlaufstellen, die mit viel Erfahrung Fragen beantworten können. Doch im modernen Gesundheitswesen sind Schwangere für den einen oder anderen aber auch willkommene – weil verunsicherte oder zu verunsichernde – „Kundinnen“. Immer häufiger werden zusätzliche Untersuchungen angeboten, die die Krankenkasse „leider nicht bezahlt“. Dabei genießt das deutsche Gesundheitswesen einen guten Ruf. Bei tatsächlichen Risikofällen dürfte es kaum eine Leistung geben, die nicht übernommen wird. Daher gilt es, nach den ersten aufregenden Wochen einige Monate der Orientierung einzuläuten und sich einen Überblick zu verschaffen, was während der hoffentlich möglichst komplikationsfreien Schwangerschaft tatsächlich vorzubereiten und anzuschaffen ist. 

Buchtipps

Hetty van de Rijt, Frans X. Plooij Oje, ich wachse! 448 Seiten, 22,99 Euro Mosaik 978-3-442-39075-5
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Ingeborg Stadelmann Die Hebammen-Sprechstunde 640 Seiten, 29,80 Euro Stadelmann Verlag 978-3-943793-88-8
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Anna Machin Papa werden 270 Seiten, 25 Euro Kunstmann 978-3-95614-360-1
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Die Erstausstattung

Heute stehen den Eltern dazu meist mehr Ersparnisse und Einkünfte zur Verfügung als früher, mit denen sie sich auf die Geburt vorbereiten und sich um den jungen Nachwuchs kümmern können. Beruflich hat man meist bereits einiges erreicht und auch viele Eltern und Verwandte bieten sich an, bei den nötigen Anschaffungen zu unterstützen. Dabei dürfte der Durchschnittswert von knapp 1.100 Euro, den die Erstausstattung im Mittel kosten soll, einer erheblichen Schwankungsbreite unterliegen. Denn zu den großen Anschaffungen gehören Kinderwagen, Autositz und Möbel für das Kinderzimmer, die sich nicht selten bereits auf eine größere Summe addieren werden.

Hinzu kommen (s. Erstausstattungsliste) zahlreiche weitere Produkte, die in der einen oder anderen Form empfohlen werden, um zur Geburt sowie kurz danach gut vorbereitet zu sein. Sicher: Nicht immer muss alles neu gekauft werden. Auch findet manches ererbte Stück gute Verwendung, wenn zum Beispiel in einer Familie eine Kinderkrippe in der dritten Generation genutzt wird.

Aber natürlich gibt es auch Produkte, die aus hygienischen oder mehr noch sicherheitstechnischen Gründen in jedem Fall neu gekauft werden sollten. Auch spielen persönliche Vorlieben eine Rolle bei der Frage, was „nötig“ ist und zu den eigenen Überzeugungen passt. Manches wird man anschaffen, weil es so „niedlich“ ist, und anderes, was sich doch als unnötig, verfrüht oder einfach nur als Fehlkauf erweist. 

Beratung, bitte

Endlich zu Hause angekommen: Mit der Geburt hat die Mama Großes vollbracht. Wieder zu Hause ändert sich von einem Tag auf den anderen so ziemlich alles im Leben. – Foto: pixdeluxe/AdobeStock

Eine gute Orientierung bietet noch immer der Fachhandel, der werdende Eltern und junge Familien Tag für Tag begleitet. Meist sind als Beraterinnen erfahrene Mütter am Werk, die aufgeregte Mamas ebenso zu erden wissen, wie sie online preisvergleichende Papas zu etwas mehr Differenzierung bei der Beurteilung von Produkten zu animieren verstehen.

Eine gute Beratung erkennt man unter anderem daran, dass man durch die Bereiche der Erstausstattung geleitet wird, ohne falschen Druck aufzubauen. Denn nicht alle Produkte benötigt man von Tag eins an. Auch wenn es einem in den Fingern kribbelt, sollte man sich bei manchen Beschaffungen ruhig etwas Zeit lassen.

Zu den Dingen, die meist noch vor der Geburt gekauft werden, gehören zum Beispiel Kinderwagen, Babyschale und Autositz sowie Babybetten und Wickelkommoden. Andere Dinge wiederum lassen sich durchaus erst nach der Geburt ergänzen, was auch das Portemonnaie begrüßen wird.

Zu den Produkten, die häufig erst später gekauft werden, zählen Hochstühle, Buggys, Laufgitter und natürlich das Töpfchen oder Spielzeuge. Also, lassen Sie sich nicht verrückt machen! Genießen Sie die Zeit, machen Sie sich Gedanken und suchen Sie fachkundige Beratung. Denn schon bald heißen Sie Ihren Nachwuchs: herzlich willkommen!